Der UHCevi Gossau bleibt auch nach der zweiten Meisterschaftsrunde ungeschlagen und präsentiert sich trotz prominenter Absenzen in beeindruckender Verfassung. Mit einem 10:2 gegen den UHC Bürglen und einem überzeugenden 8:1 gegen den bis dahin ebenfalls ungeschlagenen UHC Elgg liessen die Gossauer in Oberbüren nichts anbrennen. Dabei zeigte sich: Auch ohne den einen oder anderen Hochkaräter verfügt der Rekordmeister über genügend Feuerkraft.
Gegen Bürglen: Früher Rückstand, danach eine klare Angelegenheit
Die Vorzeichen für die zweite Meisterschaftsrunde waren nicht ganz optimal. Mit Nicholas Walther und Lois Ursprung genossen zwei Gossauer noch ihre wohlverdienten Ferien, Captain Yves d'Hooghe musste weiterhin verletzt zuschauen und zu allem Überfluss fiel kurzfristig auch noch Liga-Topskorer Jason Abbühl aus. Andere Mannschaften würden bei einer solchen Absenzenliste wohl vorsorglich die weisse Fahne einpacken. Nicht so der UHCevi Gossau.
Zum Auftakt wartete mit dem UHC Bürglen das Tabellenschlusslicht. Doch wer dachte, dass dies ein gemütlicher Sonntagsspaziergang werden würde, hatte die Rechnung ohne die zahlreichen Routiniers der Thurgauer gemacht. Dazu kam der gewöhnungsbedürftige Parkettboden in Oberbüren, auf dem der Ball gerne einmal seinen eigenen Kopf entwickelt.
Tatsächlich erwischte Bürglen den besseren Start und ging mit 1:0 in Führung. Die Reaktion der Gossauer liess allerdings nicht lange auf sich warten. Mit viel Ballbesitz, geduldigem Spielaufbau und einer bemerkenswerten Ruhe übernahmen die Zürcher Oberländer zunehmend das Kommando.
Besonders erfreulich präsentierte sich die neu formierte Linie mit Herrmann als defensivem Sicherheitsminister sowie Ehrensperger und Schmid als offensiven Unruhestiftern. Während hinten kaum etwas anbrannte, sorgten die beiden Angreifer vorne für ordentlich Betrieb. Doch nicht nur diese Formation wusste zu überzeugen: Sämtliche Linien beteiligten sich am munteren Toreschiessen. Bis zur Pause hatten die Gossauer den frühen Rückstand in eine komfortable 5:1-Führung verwandelt.
Für den grössten Schreckmoment der ersten Halbzeit sorgte allerdings nicht die gegnerische Offensive, sondern ein unglücklicher Zusammenprall mit Gossaus Neuzugang David Holenstein. Der Torhüter blieb zunächst beinahe regungslos am Boden liegen und liess die Gossauer Bank für einige bange Sekunden verstummen. Glücklicherweise konnte Holenstein zunächst weiterspielen, musste wenig später aber seinen Platz zwischen den Pfosten an Philipp Wälchli übergeben.
Sportlich blieb die Angelegenheit auch nach dem Seitenwechsel äusserst einseitig. Gossau kontrollierte Ball und Gegner, liess defensiv kaum etwas zu und baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Am Ende stand ein hochverdienter 10:2-Erfolg auf der Anzeigetafel. Eine Vorstellung, die nicht nur wegen der zehn Tore überzeugte, sondern vor allem durch die mannschaftliche Geschlossenheit.
Gegen Elgg: Spitzenspiel angekündigt, Machtdemonstration geliefert
Im zweiten Spiel des Tages wartete mit dem UHC Elgg ein deutlich grösserer Prüfstein. Beide Mannschaften waren bis zu diesem Zeitpunkt noch ungeschlagen, entsprechend durfte man ein enges und umkämpftes Duell erwarten.
Der Start erinnerte allerdings verdächtig an die erste Partie: Wieder gerieten die Gossauer früh mit 0:1 in Rückstand. Offenbar hatte sich die Mannschaft vorgenommen, ihren Gegnern jeweils einen kleinen Vorsprung zu schenken. Besonders grosszügig war dieses Geschenk allerdings nicht – denn danach war Schluss mit lustig.
Gossau übernahm das Spieldiktat, liess den Ball geduldig durch die eigenen Reihen laufen und zwang Elgg zunehmend in die Defensive. Den verdienten Ausgleich erzielte Ehrensperger mit einem herrlichen Schuss direkt in den Winkel. Ein Treffer der Marke «Sonntagsschuss» – wobei man bei Ehrensperger langsam darüber diskutieren muss, ob solche Abschlüsse nicht längst zum Standardrepertoire gehören.
Wenig später bewies Aaron Abbühl, dass er auch ohne seinen kongenialen Bruder Jason weiss, wo das gegnerische Tor steht. Mit seinem Treffer brachte er die Gossauer erstmals in Führung. Kurz vor der Pause schlug dann auch noch der überragende Schmid zu und erhöhte auf 3:1.
Eine verdiente Pausenführung, die angesichts der spielerischen Überlegenheit sogar noch deutlicher hätte ausfallen können.
Gossauer Offensivfeuerwerk nach der Pause
Wer nach dem Seitenwechsel auf eine Reaktion der Elgger hoffte, wurde enttäuscht. Die zweite Halbzeit entwickelte sich zunehmend zu einer Gossauer Machtdemonstration.
Der Rekordmeister kontrollierte das Geschehen beinahe nach Belieben, liess den Gegner laufen und kombinierte sich immer wieder gefährlich vor das gegnerische Gehäuse. Ehrensperger, Walter, Abbühl und nochmals Schmid trugen sich in die Torschützenliste ein und sorgten dafür, dass aus dem vermeintlichen Spitzenspiel eine ziemlich klare Angelegenheit wurde.
Besonders beeindruckend war dabei die Art und Weise, wie die Gossauer auftraten. Kein hektisches Anrennen, keine unnötigen Einzelaktionen, sondern viel Ballbesitz, konsequente Defensivarbeit und eine bemerkenswerte Effizienz vor dem Tor.
Am Ende leuchtete ein deutliches 8:1 von der Anzeigetafel. Gegen einen zuvor ebenfalls ungeschlagenen Gegner ist das alles andere als selbstverständlich.
Dass Gossau an diesem Sonntag insgesamt 18 Tore erzielte und lediglich drei Gegentreffer kassierte, unterstreicht die starke Gesamtleistung. Und dies wohlgemerkt ohne mehrere wichtige Stammkräfte. Die Konkurrenz dürfte diese Resultate jedenfalls mit Interesse zur Kenntnis genommen haben – und möglicherweise mit einem etwas mulmigen Gefühl.
Breites Kader als grosser Trumpf – aber noch kein Grund zum Abheben
Nach vier Meisterschaftsspielen steht der UHCevi Gossau weiterhin ohne Niederlage da. Noch erfreulicher als die nackten Resultate ist jedoch die Art und Weise, wie die Mannschaft derzeit auftritt.
Die Mischung aus erfahrenen Routiniers und jungen, hungrigen Spielern scheint hervorragend zu funktionieren. Gerade angesichts der zahlreichen Absenzen zeigt sich, wie wertvoll die Breite des Gossauer Kaders ist. Spieler, die sonst vielleicht etwas weniger im Rampenlicht stehen, übernehmen Verantwortung und liefern ab.
Trotzdem wäre es verfrüht, bereits jetzt die Meisterfeier zu organisieren. Die Saison ist noch jung, und die wirklich grossen Bewährungsproben werden erst noch kommen. Zudem darf man bei aller offensiven Spielfreude nicht vergessen, dass Gossau an diesem Sonntag in beiden Begegnungen zunächst in Rückstand geriet. Gegen die stärksten Teams der Liga könnte ein solcher Start irgendwann teuer werden.
Die Richtung stimmt allerdings – und zwar gewaltig.
Heimrunde in Gossau: Derby und Aufsteiger warten
Nun dürfen sich die Gossauer zunächst über eine dreiwöchige Meisterschaftspause freuen. Danach geht es endlich wieder vor heimischem Publikum in der AL Arena in Gossau zur Sache.
Mit dem Derby gegen Bäretswil wartet gleich ein emotionsgeladenes Duell. Solche Spiele haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze, und die Tabellenlage interessiert dabei meist ungefähr so viel wie die Wetterprognose in einer Turnhalle.
Im zweiten Spiel trifft der Rekordmeister auf Aufsteiger Traktor Buchberg. Schon der Name lässt auf einen robusten Gegner schliessen. Die Gossauer werden gut beraten sein, den Traktor nicht erst ins Rollen kommen zu lassen.
Das Ziel ist klar: Die Ungeschlagenheit soll auch vor heimischem Publikum Bestand haben.
Cup-Viertelfinal: Ein echter Kracher gegen die Mörschwil Dragons!
Ein besonderes Highlight wirft bereits seine Schatten voraus. Mittlerweile steht fest, dass der UHCevi Gossau im Viertelfinal des Schweizer Cups auf die Mörschwil Dragons trifft.
Und diese Affiche hat es in sich!
Bereits zum Saisonauftakt lieferten sich die beiden Teams ein spektakuläres Duell, das mit einem torreichen 8:8-Unentschieden endete. Auch aktuell liegen die beiden Mannschaften punktgleich an der Tabellenspitze. Viel ausgeglichener könnte die Ausgangslage kaum sein.
Für die Gossauer bietet sich damit die Gelegenheit, gegen einen direkten Rivalen ein deutliches Ausrufezeichen zu setzen und dem lange ersehnten nächsten Cupsieg einen wichtigen Schritt näherzukommen. Zwar stehen bereits fünf Cupsiege in der stolzen Vereinsgeschichte, doch der letzte Triumph liegt mittlerweile schon eine ganze Weile zurück. Höchste Zeit also, den Pokalschrank wieder einmal mit etwas Frischem zu bestücken.
Cup-Viertelfinal: UHCevi Gossau vs. Mörschwil Dragons
Samstag, 21. November | 16.00 Uhr | AL Arena, Gossau
Alles ist angerichtet für einen echten Unihockey-Leckerbissen. Zwei Spitzenteams, eine offene Rechnung aus dem Saisonauftakt und ein Platz im Cup-Halbfinal als Belohnung.
Die Mannschaft freut sich auf zahlreiche Zuschauer, eine stimmungsvolle Halle und lautstarke Unterstützung. Denn eines ist sicher: Wenn diese beiden Teams aufeinandertreffen, ist Spektakel fast schon garantiert.
40. Bürglen 2:10 (4:3).
27. Ehrensperger (Schmid) 1:4, 30. Walter (Kern) 1:5 (EN), 33. A. Abbühl (Gut) 1:6 (EN), 34. Schmid (Herrmann) 1:7, 40. A. Abbühl (Schmid) 1:8 (PP).